Manchmal bekomme ich die Gelegenheit, ein Stück ein zweites mal zu sehen, aber anders inszeniert an einem anderen Theater. Bei Gift ist dies der Fall. Ich weiß um die Handlung und bin gespannt, inwiefern sich das Erlebnis verändert, wenn die Geschichte von einer großen Bühne ins Foyer des Schauspielhauses transferiert wird.

Zum zweiten mal wird aus der Assistentin Nina Baak die Regisseurin eines eigenen Stücks am Theater Magdeburg. Sie wählt dabei einen realistischen Erzählstil, fokussiert auf den Text (Dramaturgie: David Schliesing) und die Gefühlswelt der Protagonisten. Angepasst authentisch gestaltet sich die Ausstattung (Freya Elisabeth Partscht).

Die Bühne ist unmerklicher Teil einer Kapelle, in der sich die Zuschauer befinden. Ungewohnt erscheint es, als die Darstellenden ihre Plätze in der ersten Sitzreihe am Altar einnehmen mit dem Rücken zum Publikum.

Es wird angemessen sein.

Es wird gut werden.

Das Spiel von Nadine Nollau und Wolfgang Boos ist aktiv, sodass die Zuschauer sich bald als Teil des Geschehens wähnen. Das Foyer wird zum Ort, an dem sich zwei Menschen treffen, die früher miteinander lebten. Das Publikum wird unsichtbar und der Raum leert sich, um auf die Positionierung der beiden Protagonisten in der Welt zu warten. Eine Geschichte von essentieller Bedeutung verändert die Stimmung. Glaubwürdig berichten die Agierenden, wie es ihnen ergangen ist. Dabei entscheiden die Zuschauer unfreiwillig zwischen den Varianten, mit dem Verlust eines geliebten Menschen umzugehen. Doch so einfach ist das nicht. Absolute Positionen bilden starre Strukturen, die mit der Gefühlswelt oft nicht vereinbar sind.

So auch hier.

Innerhalb einer Stunde werden wir Zeugen, wie zwei Personen gegeneinander kämpfen, sich beeindruckende Wortgefechte liefern, neue Seiten aneinander entdecken, ernüchtern, träumen, hoffen, lieben.

Ab der Spielzeit 2017/18 in neuer Besetzung.

About Lydia Flössel

Lydia ist immer dabei, wenn es um Theater geht. Und Literatur. Und Musik. Und Kino. Kultur ist ein wichtiger Teil ihres Lebens und sie hat durch Magdeboogie die Chance bekommen, darüber zu schreiben. Gern hilft sie auch beim Abtippen von Interviews und ist mit Leidenschaft dabei, wenn es um die Frage geht: “Und wer bereitet das Protokoll für das nächste Redaktionstreffen vor?”.

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