Stell dir vor du hast den Plan, fünf Länder mit dem Fahrrad zu durchqueren, und dann, gerade als du 250 Kilometer von der nächsten Stadt entfernt bist, geht deine Felge kaputt. Nun stehst du dort, kannst weder vor noch zurück und hast keinen Schlafplatz für die Nacht. Gerade diese Art des Reisens reizt den 29-jährigen Christian Rathmann, der innerhalb von acht Wochen die Länder Deutschland, Dänemark, Finnland, Schweden und Norwegen mit seinem Fahrrad abgefahren ist.

„Morgens nicht zu wissen, wo man abends schläft, ist anfangs eine Drucksituation, doch mit der Zeit merkt man schnell, dass es immer eine Möglichkeit oder Personen gibt, die einem helfen“, sagt der gebürtige Magdeburger, der gerade das Unerwartete an den Abenteuerreisen so faszinierend findet. Nun ist der naturverbundene Christian kein Anfänger, was längere Radreisen betrifft, da er letztes Jahr bereits mit dem Rad nach Russland gefahren ist, doch sagt er: „Das kann jeder machen. Viele denken, ich hätte ein besonders gutes Fahrrad, was aber gar nicht stimmt. Ich muss bei meinem Fahrrad genau so selber treten, wie jeder andere auch. Man kann mit einem kleinen Budget super weit reisen, viel sehen und Leute und Kulturen kennenlernen.“

Christian Rathmann im Interview

Gerne würde er auch andere Abenteurer für Fahrradreisen begeistern, weshalb er am 09. November 2017 im Familienhaus im Nordpark Bilder seiner Reise zeigt, die er mit den dazugehörigen Geschichten zum Leben erwecken wird. Bei einer Strecke von 4146 Kilometern und einer Dauer von 8 Wochen haben sich schließlich einige spannende Erlebnisse angesammelt. Von Magdeburg bis nach Kopenhagen fuhr der Berufsschullehramtstudent für Bauwesen noch alleine, ab dort wurde er von einem Freund, den er bei einem gemeinsamen Praktikum in Schweden im Jahr 2012 kennenlernte, begleitet. Damals planten die beiden gemeinsam einen Tunnel, der inzwischen fertig gebaut wurde und den sie gemeinsam besichtigten.

„Die Tunnelbahn ist das Fundament unserer Freundschaft, über dieses Projekt lernten wir uns kennen. Vor Ort anzuschauen, was daraus geworden ist, war für uns persönlich ein ganz besonderes Highlight.“ An Highlights hat es bei der Reise generell nicht gemangelt. Christian sah die stärksten Polarlichter, die es in den letzten 12 Jahren gab. „Die Lichter wirken sehr nah, kommen ganz plötzlich und verschwinden auch ganz schnell wieder.“ Er vergleicht den Anblick mit dem eines riesigen Phönix, der über einem durch die Luft schwebt und seine Farben von grün über violett bis hin zu dunkelblau ändert.

Übernachtet hat das Duo entweder in Schutzhütten mit Feuerstelle, die etwa alle 15 Kilometer im Wald zu finden sind, oder bei Einheimischen, welche sie auf der Straße fragten, ob sie bei ihnen im Garten zelten dürften. „Ich spreche da immer von Vollkontakt-Reisen. Ich mag es, wenn man wirklich mit dem Land und den Leuten in Interaktion tritt, sieht wie diese leben und was für Probleme sie haben. Dabei kann man wirklich sehr viel lernen und gerade diese Begegnungen machen das Ganze ja auch aus“, erzählt der Magdeburger. Oft wurden sie bekocht, bekamen eine warme Dusche, durften die Waschmaschine benutzen oder genossen ein Glas Wein. Zum Dank erzählten sie ihren Gastgebern spannende Geschichten ihrer Reise und brachten ein wenig Urlaub und Abenteuer in den Alltag der Menschen.

Christian Rathmann im Interview

Doch auch das Übernachten in den Hütten hat ihnen gut gefallen. Dort saßen sie gemeinsam am Feuer, brutzelten Köttbullar und genossen die Natur. Angst vor wilden Tieren hatten sie dabei nicht. „Ich hätte gerne einen Bären gesehen aber die sind so scheu, dass man da keine Angst haben muss. Dafür haben wir relativ nah Wölfe gehört und Elche gesehen. In Norwegen haben wir fünf Meter vom Ufer entfernt Schweinswale entdeckt, die an uns vorbeigezogen sind.“ Natürlich läuft bei so einer Reise nicht alles, wie es geplant war. So musste Christian insgesamt 20 Speichen wechseln,  hatte einen gerissenen Bautenzug, der die Bremse sowie die Gangschaltung bedient, kämpfte zwei mal mit einem Platten, brauchte einen neuen Mantel und sein Gepäckträger sowie die Felge riss. Ob Christian sein Ziel, den Nordkap, trotz all dieser Komplikationen dennoch erreicht hat, wird er bei seinem Vortrag verraten.

 

Reisevortrag: Radreise zum Nordkap

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