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Online Seminar zur Gender Data gap aus der Veranstaltungsreihe „Sexismus in der Medizin – Eine kritische Auseinandersetzung im Rahmen des feministischen 8. März“

Bei der Gender Data Gap handelt es sich um eine fehlende oder unterrepräsentierte Datenerhebung eines bestimmten Geschlechts. Diese verschränkt sich im Gesundheitswesen mit einer Insensibilität für die Bedeutung des biologischen oder sozialen Geschlechts, einer Fokussierung auf männliche Körperprozesse und Krankheitsverläufe, aber auch Lebens-und Arbeitsbedingung und Normierung dieser.
Auch werden Geschlechter (insbesondere Männern und Frauen) unterschiedliche Handlungsmuster zugestanden, bzw. als problematisch deklariert. Dies alles führt zu nicht repräsentativen Therapiestudien, unzureichenden Medikamentenanpassungen und auch zu Fehldiagnosen.
Im Vortrag soll sowohl beleuchtet werden, in welchen Bereichen die Determinante Geschlecht zu wenig Beachtung findet und woher dieses Missstand rührt. Weiterhin wird sich mit der Frage auseinandergesetzt, wie eine geschlechtergerechtere Medizin aussehen kann.

„Sexismus in der Medizin – Eine kritische Auseinandersetzung im Rahmen des feministischen 8. März“

Am 8. März, dem internationalen Frauentag oder auch feministischen Kampftag, gehen seit mehr als 100 Jahren Menschen auf die Straße, um gegen Geschlechterdiskriminierung und für Gleichberechtigung zu kämpfen. Seinen Ursprung hat er in der Arbeiterinnenbewegung des frühen 20. Jahrhunderts, die vor allem gleiche Arbeitsverhältnisse und Wahlrechte einforderte. Seitdem hat sich viel verändert, doch auch heute noch erfahren Menschen strukturelle Benachteiligung und Diskriminierung aufgrund ihres zugeschriebenen Geschlechts. Die geschlechterabhängige Ungleichheit zieht sich durch alle Bereiche der Gesellschaft
und äußert sich in erschwerten Aufstiegschancen, in der Verteilung unbezahlter Sorgearbeit, in Gewalt gegen Menschen auf Grund ihres sozialen oder gewählten Geschlechts, der Einschränkung sexueller und reproduktiver Selbstbestimmung und vielem mehr.
Es ist also nicht verwunderlich, dass sich dieser Sexismus auch im Gesundheitssystem zeigt.
Schätzungsweise jeder dritten Frau widerfahren während der Geburt Situtationen, die sie als gewalttätig empfinden, andere Autorinnen sprechen sogar von fast jeder zweiten Frau. Transmenschen und ihr Erleben wurden über Jahrzehnte durch die medizinische Einordnung in den Diagnosekatalog ICD10 unter „Störung der Geschlechtsidentität“ pathologisiert. Männliche Körperprozesse und Krankheitsverläufe, aber auch Lebens- und Arbeitsbedingungen werden in Studien und bei Medikamentenempfehlungen als Norm gesetzt und in unzulässiger Weise verallgemeinert. In Polen wurde im Herbst letzten Jahres das Abtreibungsgesetz so verschärft, dass es nun einem kompletten Verbot gleicht und die Durchführung von Schwangerschaftsabbrüchen nahezu vollständig illegalisiert.
Wer gesund ist und wer nicht, wem Sexismus widerfährt und wem nicht, ist kein individuelles Problem. Wir können Sexismus nur als ein strukturelles Problem betrachten, dass sich mit weiteren Diskriminierungsmechanismen wie Rassismus oder aber auch Einkommen und Zugang zu materiellen und immateriellen Gütern verschränkt.

Die Veranstaltungsreihe wird vom Medinetz Magdeburg e.V.(Sachsen-Anhalt) organisiert und durchgeführt. Als Medinetz unterstützen wir Menschen, die auf Grund ihres Aufenthaltsstatus oder wegen anderer Ursachen keine medizinische Versorgung durch das Gesundheitssystem erhalten.
Wir sehen die Gesundheitsversorgung als eine politische Frage und setzen uns für einen gleichen und damit gerechten Zugang ein. Eine Diskriminierung im Gesundheitssystem, egal in welcher Form, führt zwangsläufig immer zu einer ungerechten Gesundheitsversorgung. Wir wollen deshalb die bestehenden Verhältnisse kritisieren, über sie aufklären und verändern. Die Veranstaltungen finden zwischen dem 1. und 18.3. 2021 als Webinare statt, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Link zu den Veranstaltungen:
https://bbb.cs.ovgu.de/b/raf-xgm-lmj