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Online-Seminar aus der Veranstaltungsreihe „Sexismus in der Medizin – Eine kritische Auseinandersetzung im Rahmen des feministischen 8. März“

Die Genitalbeschneidung bei Frauen und Mädchen wird weiterhin in vielen Ländern, auch in Deutschland, als Ritual zuR Aufnahme der Mädchen in die Gemeinschaft der Frauen durchgeführt. Die einzelnen Beschneidungsschritte sind sehr unterschiedlich, können aber zu Verbluten, wiederholten Infekten des Genitaltraktes, Schmerzen und Unfruchtbarkeit führen. Neben den körperlichen Folgen sind es vor allem psychische und gesellschaftliche Folgen, wie der Umgang mit der eigenen Sexualität und die Frage nach Gleichberechtigung. Ebenso stellt sich die Frage, aus welchen Gründen dieses Ritual praktiziert wird und was Mütter dazu veranlasst, ihre Töchter beschneiden zu lassen.
Im Vortrag soll der Schwerpunkt auf der sozialen und kulturellen Verankerung der weiblichen Genitalbeschneidung liegen.

Referentin: Prof.in Dr. Ihring
In Lehre und Forschung liegen die Arbeitsschwerpunkte im Bereich der Hilfen zur Erziehung mit besonderem Blick auf Kinderschutz, auf der Analyse migrations- und fluchtbedingter Ungleichheitsverhältnisse, Rassismus, Intersektionalität, (post)kolonialen Theorien und der Bedeutung dieser Themen für die Soziale Arbeit. Prof.in Dr.in Isabelle Ihring ist Professorin für Jugend und Soziale Arbeit an der Evangelischen Hochschule Freiburg. 2014 hat sie zum Thema „Weibliche Genitalbeschneidung im Kontext von Migration promoviert“ und 2016 bis 2017 die Studie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend „Weibliche Genitalbeschneidung in Deutschland“ koordiniert. Sie engagiert sich gegen Genitalbeschneidung und für antirassistische Bildungsarbeit.

„Sexismus in der Medizin – Eine kritische Auseinandersetzung im Rahmen des feministischen 8. März“

Am 8. März, dem internationalen Frauentag oder auch feministischen Kampftag, gehen seit mehr als 100 Jahren Menschen auf die Straße, um gegen Geschlechterdiskriminierung und für Gleichberechtigung zu kämpfen. Seinen Ursprung hat er in der Arbeiterinnenbewegung des frühen 20. Jahrhunderts, die vor allem gleiche Arbeitsverhältnisse und Wahlrechte einforderte. Seitdem hat sich viel verändert, doch auch heute noch erfahren Menschen strukturelle Benachteiligung und Diskriminierung aufgrund ihres zugeschriebenen Geschlechts. Die geschlechterabhängige Ungleichheit zieht sich durch alle Bereiche der Gesellschaft und äußert sich in erschwerten Aufstiegschancen, in der Verteilung unbezahlter Sorgearbeit, in Gewalt gegen Menschen auf Grund ihres sozialen oder gewählten Geschlechts, der Einschränkung sexueller und reproduktiver Selbstbestimmung und vielem mehr.

Es ist also nicht verwunderlich, dass sich dieser Sexismus auch im Gesundheitssystem zeigt. Schätzungsweise jeder dritten Frau widerfahren während der Geburt Situationen, die sie als gewalttätig empfinden, andere Autorinnen sprechen sogar von fast jeder zweiten Frau. Transmenschen und ihr Erleben wurden über Jahrzehnte durch die medizinische Einordnung in den Diagnosekatalog ICD10 unter „Störung der Geschlechtsidentität“ pathologisiert. Männliche Körperprozesse und Krankheitsverläufe, aber auch Lebens- und Arbeitsbedingungen werden in Studien und bei Medikamentenempfehlungen als Norm gesetzt und in unzulässiger Weise verallgemeinert. In Polen wurde im Herbst letzten Jahres das Abtreibungsgesetz so verschärft, dass es nun einem kompletten Verbot gleicht und die Durchführung von Schwangerschaftsabbrüchen nahezu vollständig illegalisiert.

Wer gesund ist und wer nicht, wem Sexismus widerfährt und wem nicht, ist kein individuelles Problem. Wir können Sexismus nur als ein strukturelles Problem betrachten, das sich mit weiteren Diskriminierungsmechanismen wie Rassismus oder aber auch Einkommen und Zugang zu materiellen und immateriellen Gütern verschränkt.

Die Veranstaltungsreihe wird vom Medinetz Magdeburg e.V.(Sachsen-Anhalt) organisiert und durchgeführt. Als Medinetz unterstützen wir Menschen, die auf Grund ihres Aufenthaltsstatus oder wegen anderer Ursachen keine medizinische Versorgung durch das Gesundheitssystem erhalten. Wir sehen die Gesundheitsversorgung als eine politische Frage und setzen uns für einen gleichen und damit gerechten Zugang ein. Eine Diskriminierung im Gesundheitssystem, egal in welcher Form, führt zwangsläufig immer zu einer ungerechten Gesundheitsversorgung. Wir wollen deshalb die bestehenden Verhältnisse kritisieren, über sie aufklären und verändern.

Die Veranstaltungen finden zwischen dem 1. und 18.3. 2021 als Webinare statt, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Link zu den Veranstaltungen:
https://bbb.cs.ovgu.de/b/raf-xgm-lmj

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