Am 27. November 2018 sind die DONOTS wieder in der Stadt und wir freuen uns auf ein fulminantes Konzert in der Factory. Um die Wartezeit bis dahin ein wenig zu verkürzen, haben wir uns mit investigativen Fragen an die Band gewandt und Sänger Ingo hat sich Zeit genommen, diese zu beantworten. Viel Freude beim Lesen!

1. Nach „Coma Chameleon“ (2008) und „The long way home“ von 2010 ist „Lauter als Bomben“ das dritte Album, das auf eurem eigenen Label „Solitary Man Records Europe“ produziert wurde. Wie kam es dazu, dass ihr wieder auf euer Label zurückgekommen seid?

In heutigen Zeiten benötigt man klassische Major- oder Indielabel-Strukturen oder überhaupt externe Plattenfirmen nicht mehr unbedingt, vor allem dann nicht, wenn man schon eine gewisse Reiseflughöhe mit seiner Band erreicht hat. Social Media hat eben kurze Dienstwege, ist sehr direkt und man bekommt sofortiges Feedback auf alles, was man so tut. Wir waren immer schon eine sehr involvierte Band und haben – egal, bei welchem Label wir angedockt waren oder mit wem wir gemeinsame Sache gemacht haben – immer maximale Kontrolle über alles eingefordert. Und weil wir mit Solitary Man schon in Japan gute Labelerfahrungen gemacht haben, beim Veröffentlichen von Bands wie Toy Dollls, Placebo, Dropkick Murphys, BoySetsFire und co, war es einfach nur sinnvoll, auch hier unser Know-How einzusetzen. Das ist eine ganze Menge Verantwortung und Arbeit, aber wir sind spätestens seit dem Release von „Lauter Als Bomben“ einfach sehr gut aufgestellt mit tollen Leuten, die uns bei der Labelarbeit helfen. Den Vertrieb machen darüber hinaus Warner, die einen echt grandiosen Job und die Platten überall verfügbar machen.

2. Euer erstes deutschsprachiges Album „Karacho“ von 2015 ist im selben Jahr als englische Version mit dem Titel „Carajo“ erschienen. Wird es von „Lauter als Bomben“ auch eine englischsprachige Variante geben, vielleicht auch außerhalb von Japan?

Sagen wir so: Ich hab die Texte seinerzeit simultan ins Englische übersetzt und die Lyrics liegen seit ein paar Monaten irgendwo im Giftschrank daheim. Uns fehlt einfach die Zeit, das ganze mal in Ruhe aufzunehmen. Aber schön wäre es schon, das zu gegebener Zeit nachzuholen, denn die Touren in USA, Japan und dem Rest von Europa machen einfach immer sehr viel Spaß.

3. Was bedeutet das 25-jährige Jubiläum der Donots im nächsten Jahr für euch?

Das bedeutet, dass wir endlich mal umrechnen müssten, wie viele Hektoliter Bier wir in all den Jahren bei über 1100 Shows so vernichtet haben. 25 Jahre sind natürlich eine extrem lange Zeit, aber weil wir mehrfach einen gefühlten Reboot unserer Band hingelegt haben (klanglich wie eben auch sprachtechnisch), fühlt es sich immer alles noch so frisch an, als hätten wir gerade erst vor 2 Jahren oder so begonnen. Wir werden aber natürlich ganz westfälisch feiern und 4 Birthday Slams Ende April veranstalten, in Düsseldorf, Berlin, Hamburg und 2x Wiesbaden an einem Tag. Wahnsinn, endlich Silberhochzeit in wilder Ehe!

4. Welche Tipps habt ihr für „junge“ Bands, um einen erfolgreichen, gemeinsamen Weg im Musikgeschäft zu finden?

Erfolg sollte sich niemals an Finanzen messen, wenn es um künstlerische Arbeit geht. Ein gemeinsamer Weg ist für uns ein erfolgreicher. Wir Donots sind absolute Marathonläufer und haben nie einen riesigen Sprint hingelegt, sondern Schritt für Schritt an unserem Sound und der Band gearbeitet. Wenn man sich nicht zu schade ist, auch mal auf die Schnauze zu fallen, immer authentisch bleibt und versucht, die eigenen Trademarks auszubauen, dann ist man, glaube ich, immer auf dem richtigen Weg. Natürlich gehört auch immer eine große Portion Glück dazu, aber langer Atem zahlt sich wirklich aus. Und, so platt es auch klingen mag, Spaß und Freundschaft sollte über allem stehen. Jede Entscheidung, die wir treffen, ist in erster Linie eine freundschaftliche und erst dann eine wirtschaftliche. Bei Bauchschmerzen sagen wir lieber mehr ab, als uns ungewollt vor einen Karren spannen zu lassen.

5. Seit 2005 habt ihr euren eigenen Podcast. Wie kam es dazu, was bedeutet euch der Podcast und vor allem, was hat es mit dem Namen „Die relaxte Kluftpuppe“ auf sich?

Als wir 2004 das Album „Got The Noise“ aufgenommen haben, haben wir uns sowas wie einen eigenen Nachtclub in einer Ecke des Gaga Studios in Hamburg eingerichtet zum Biertrinken nach den Aufnahmen am späten Abend. Durch einen sehr betrunkenen, gelallten Sprachfehler ist dann der Name „Die relaxte Kluftpuppe“ entstanden, was mit großem Gelächter quittiert und fortan ein geflügelter Begriff für Offroad-Diskussionen mit Alkohol wurde. Ein Jahr drauf haben wir dann den Podcast unter eben jenem Namen gestartet und waren damals der allererste Bandpodcast Deutschlands. Das haben wir dann aber irgendwann ein wenig einschlafen lassen, weshalb wir jetzt erst seit knapp 2 Jahren wieder so richtig damit am Start sind. 62 Folgen Niveau-Limbo sind’s mittlerweile. Anhören auf eigene Gefahr!

6. Ihr habt im Rahmen eures Podcasts die Zuhörenden aufgerufen, Klingelschilder aus Salzteig für euer Heavy Kranich-Tonstudio in Münster einzusenden. Wie ist die Aktion verlaufen und wieviele Salzteigschilder habt ihr inzwischen erhalten?

Wir haben wirklich einige geschickt bekommen. Aber nicht nur Salzteigklingelschilder. Wir kriegen unter anderem sogar Kisten voll Süßigkeiten, gebastelten Kram und echt viele Briefe geschickt. Aktive Teilnahme ist sehr erwünscht – dann haben wir nämlich mehr Zeit zum Trinken, weil wir uns selbst nix überlegen müssen. Eine Drink-Drink-Situation quasi.

7. Was steht ganz oben auf eurer Wunschliste für die Zukunft?

Weltfrieden, ein zweiter Teil des Films „Sunshine Reggae Auf Ibiza“, ein Album-Feature von Fips Asmussen und ein lebendiges Pony.

8. Was verbindet ihr mit Magdeburg?

Wir haben in 25 Jahren Donots eine Menge tolle Konzerte in Magdeburg und Umgebung spielen dürfen und wurden jedes Mal mit offenen Armen empfangen und nicht direkt mit Fackeln und Mistgabeln zu den Stadtgrenzen hinausgejagt. Das ist mehr als man von den meisten anderen Städten sagen kann. Wir freuen uns wirklich sehr auf die Show in der Factory und würden uns sehr über gut gekleideten, leicht asozialen Besuch freuen!

9. Wer wird euch in Magdeburg als Vorband unterstützen und was qualifiziert sie dafür?

Unsere lieben Buddies von Smile And Burn sind in Magdeburg am Start. Eine der wirklich sympathischsten und tollsten Bands der Republik. Die haben live eine Menge Dampf und lassen sich hinter der Bühne super in den Schwitzkasten nehmen.

10. Mit wem würdet ihr gern mal einen Pfeffi trinken?

Mit Verlaub: Pfeffi ist das schlimmste Getränk, welches ich mir vorstellen kann! Wir trinken Bier, Wein und Gin Tonic. Und wenn es wirklich mal Flickflacks ohne Höschen sein müssen, dann geht auch mal ein Jägermeister in den Mann. Und trinken würden wir tendenziell mit jedem Menschen auf dem Planeten. Nur Nazis kriegen keinen Schnaps ab!

Danke für das Interview!

 

Foto: Dennis Dirksen

About Lydia Flössel

Lydia ist immer dabei, wenn es um Theater geht. Und Literatur. Und Musik. Und Kino. Kultur ist ein wichtiger Teil ihres Lebens und sie hat durch Magdeboogie die Chance bekommen, darüber zu schreiben. Gern hilft sie auch beim Abtippen von Interviews und ist mit Leidenschaft dabei, wenn es um die Frage geht: “Und wer bereitet das Protokoll für das nächste Redaktionstreffen vor?”.

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