Das Ergebnis der Landtagswahl macht uns wütend. Aber Wut allein hält keinen Kulturort offen, finanziert keine Beratungsstelle und schützt keine Menschen. Deshalb geht es jetzt darum, diejenigen zu stärken, die Sachsen-Anhalt jeden Tag offen, solidarisch und lebenswert machen.

43,8 Prozent.

So viele Stimmen hat die AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt bekommen.

Das müssen wir erstmal sacken lassen.

Wir könnten jetzt darüber schreiben, wie erschreckend wir dieses Ergebnis finden. Wie wütend es uns macht. Wie beschissen es sich anfühlt, wenn rechte und menschenfeindliche Positionen immer weiter normalisiert werden.

Und ja: Wir sind wütend.

Aber während wir noch versuchen, dieses Ergebnis einzuordnen, müssen andere längst darüber nachdenken, was es ganz konkret für ihre Zukunft bedeutet.

Der Flüchtlingsrat Sachsen-Anhalt spricht von der Angst, die das Wahlergebnis schon jetzt bei vielen Menschen mit Migrationsgeschichte auslöst. Miteinander e. V. warnt davor, dass zivilgesellschaftliche Organisationen und Flüchtlingsorganisationen weiter unter Druck geraten könnten.

Die Antwort der Zivilgesellschaft darauf?

Weitermachen. Jetzt erst recht.

Wer hält den Laden hier eigentlich zusammen?

Wenn wir über Demokratie reden, denken wir schnell an Wahlen, Parteien und Parlamente.

Aber Demokratie findet jeden Tag statt.

In Beratungsstellen. In Jugendclubs. Auf Konzerten. In Workshops. In soziokulturellen Zentren. In migrantischen Organisationen. In kleinen Vereinen. Bei Demonstrationen. In Proberäumen. In Büros, in denen Menschen Betroffenen rechter Gewalt zuhören und ihnen helfen.

Sie findet überall dort statt, wo Menschen dafür sorgen, dass andere Menschen dazugehören können.

Und vieles davon wird von Menschen getragen, deren Arbeit wir im Alltag kaum wahrnehmen.

Von Sozialarbeiter*innen, Kulturschaffenden, Aktivist*innen und Ehrenamtlichen. Von Menschen, die Förderanträge schreiben, Veranstaltungen organisieren, beraten, zuhören, widersprechen, Netzwerke aufbauen, Türen öffnen und Schutz organisieren.

Diese Strukturen sind kein Nice-to-have.

Sie gehören zur demokratischen Infrastruktur dieses Landes.

Und genau deshalb sollten wir darüber reden, wie wir ihnen jetzt den Rücken stärken können.

Wen ihr jetzt unterstützen könnt

Wut ist wichtig. Aber noch wichtiger ist, was wir daraus machen.

In Magdeburg und Sachsen-Anhalt gibt es Strukturen, die jeden Tag Räume schaffen, Menschen beraten, Betroffene unterstützen, sich gegen Rassismus und rechte Gewalt stellen und dafür sorgen, dass Kultur und Zivilgesellschaft lebendig bleiben.

Viele dieser Strukturen sind auf Unterstützung angewiesen – finanziell, ehrenamtlich oder einfach dadurch, dass wir ihre Arbeit wahrnehmen, nutzen und weitertragen.

Kulturvereine & Fördervereine

Fangen wir dort an, wo Magdeboogie zu Hause ist: bei der Kultur.

Clubs, soziokulturelle Zentren, Off-Spaces, Theater, Festivals, Kollektive und andere Kulturorte entstehen nicht von allein. Hinter ihnen stehen Vereine, Fördervereine und vor allem ziemlich viele Menschen, die Zeit, Geld und Energie investieren.

Und diese Orte sind mehr als Freizeitgestaltung. Sie schaffen Begegnung, Öffentlichkeit und Freiräume. Sie geben Subkultur eine Bühne und Menschen einen Ort, an dem sie zusammenkommen können.

So könnt ihr unterstützen: Werdet Mitglied oder Fördermitglied, spendet, übernehmt Schichten, helft bei Veranstaltungen, kauft Tickets, besucht auch kleinere Formate und bringt Freund*innen mit.

Kurz gesagt: Support your local culture.

Flüchtlingsrat Sachsen-Anhalt e. V.

Asyl & Flucht · Beratung · Menschenrechte

Der Flüchtlingsrat Sachsen-Anhalt setzt sich für die Rechte geflüchteter Menschen ein und arbeitet zu Flucht, Asyl, Aufnahme, Teilhabe und Antirassismus.

Gerade jetzt ist diese Arbeit wichtiger denn je. Nach der Landtagswahl warnt der Flüchtlingsrat vor wachsender Angst unter Menschen mit Migrationsgeschichte und fordert, Schutz und Perspektiven für Geflüchtete sicherzustellen.

So könnt ihr unterstützen: Spendet, werdet Mitglied*, unterstützt Aktionen und Veranstaltungen und teilt Informationen und Aufrufe des Flüchtlingsrats.

Antirassistische Aktion Magdeburg

Antirassismus · Geflüchtetensolidarität · Aktivismus

Die Antirassistische Aktion Magdeburg steht für praktischen Antirassismus und Solidarität mit Geflüchteten. Hier geht es nicht nur darum, Haltung zu zeigen, sondern sie in konkretes Handeln zu übersetzen.

So könnt ihr unterstützen: Beteiligt euch an Aktionen, unterstützt Soli-Veranstaltungen und Spendenaufrufe, teilt Informationen und bringt euch ein, wenn Unterstützung gesucht wird.

LAMSA e. V.

Migrantische Selbstorganisation · Antirassismus · Interessenvertretung

Das Landesnetzwerk Migrantenorganisationen Sachsen-Anhalt vertritt die politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Interessen von Menschen mit Migrationsgeschichte und vernetzt migrantische Organisationen im Land. Aktuell gehören dem Netzwerk rund 120 Organisationen und Einzelpersonen an.

So könnt ihr unterstützen: Werdet Mitglied* oder Fördermitglied*, spendet und unterstützt aktuelle Aktionen. LAMSA sammelt derzeit beispielsweise auch für einen neuen sicheren Begegnungsort in Halle und für Taschenalarme für Menschen mit Migrationsgeschichte in Magdeburg.

Mobile Opferberatung / Opferfonds

Rechte & rassistische Gewalt · Beratung · Direkthilfe

Die Mobile Opferberatung unterstützt in Sachsen-Anhalt Menschen, die rechte, rassistische, antisemitische oder andere menschenfeindlich motivierte Gewalt erlebt haben – kostenlos, vertraulich und auf Wunsch anonym. Sie begleitet Betroffene unter anderem zu Behörden und Gerichten und hilft bei der Suche nach Anwältinnen oder Therapeutinnen.

Der Opferfonds ermöglicht darüber hinaus konkrete finanzielle Unterstützung für Betroffene.

So könnt ihr unterstützen: Spendet an den Opferfonds und macht die Mobile Opferberatung bekannt. Gerade ihre Kontaktdaten können für Betroffene oder Zeug*innen enorm wichtig sein.

Miteinander e. V.

Rechtsextremismus · Antirassismus · Demokratiearbeit

Miteinander e. V. gehört zu den zentralen zivilgesellschaftlichen Strukturen gegen Rechtsextremismus in Sachsen-Anhalt. Zum Verein gehört unter anderem auch die Mobile Opferberatung.

Nach der Landtagswahl steht diese Arbeit besonders im Fokus: Miteinander warnt vor einer historischen Belastungsprobe für die Demokratie und vor Angriffen auf die Finanzierung zivilgesellschaftlicher Arbeit.

So könnt ihr unterstützen: Spendet, unterstützt die Arbeit des Vereins und seiner Projekte und sorgt dafür, dass seine Bildungs-, Beratungs- und Informationsangebote Menschen erreichen.

Sachsen-Anhalt. Weltoffen!

Zivilgesellschaft · Vernetzung · Solidarität

Demokratische Arbeit funktioniert besser, wenn diejenigen, die sie machen, nicht alleine bleiben. Sachsen-Anhalt. Weltoffen! bringt zivilgesellschaftliches Engagement zusammen und macht solidarische Strukturen sichtbar.

So könnt ihr unterstützen: Vernetzt euch, beteiligt euch an Aktionen und Veranstaltungen und helft dabei, die Arbeit der beteiligten Initiativen sichtbar zu machen.

Überregional unterstützen

Nicht alle von uns haben gerade die Zeit, selbst Teil einer Initiative zu werden. Und nicht jede*r weiß, welche lokale Struktur das Geld im Moment am dringendsten braucht.

Genau dafür gibt es Fonds, die Unterstützung bündeln und an zivilgesellschaftliche Projekte weitergeben.

Netzwerk Polylux e.V.

Ostdeutsche Zivilgesellschaft · langfristige Förderung · Strukturaufbau

POLYLUX unterstützt zivilgesellschaftliches Engagement in Ostdeutschland. Der wichtige Punkt dabei: Es geht nicht nur um einzelne Aktionen, sondern darum, Strukturen langfristig zu stärken.

So könnt ihr unterstützen: Einmalig oder regelmäßig spenden und damit zivilgesellschaftliche Projekte in Ostdeutschland mitfinanzieren.

NoAfD-Fonds

Lokale Initiativen · Kampagnen · Förderung gegen Rechts

Der NoAfD-Fonds unterstützt lokale Initiativen und Kampagnen, die sich gegen Rechts und für demokratische Strukturen engagieren.

So könnt ihr unterstützen: Spendet in den Fonds und ermöglicht damit Unterstützung dort, wo lokale Initiativen sie konkret brauchen.

Deutscher Fonds für Demokratie

Demokratische Infrastruktur · langfristige Absicherung · Zivilgesellschaft

Der Deutsche Fonds für Demokratie will genau das absichern, was nach politischen Machtverschiebungen besonders schnell unter Druck geraten kann: demokratische Infrastruktur vor Ort.

Der Fonds wirbt aktuell ausdrücklich um Unterstützung für bedrohte Initiativen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Dauerspenden sollen Organisationen dabei vor allem eines geben: Planbarkeit – unabhängig davon, wie Wahlen ausgehen.

So könnt ihr unterstützen: Einmalig spenden oder eine Dauerspende einrichten. Laut Fonds ist eine regelmäßige Unterstützung bereits ab fünf Euro monatlich möglich.

Und jetzt?

Ihr müsst nicht morgen einen Verein gründen.

Ihr müsst auch nicht überall gleichzeitig Mitglied* werden oder euer gesamtes Konto leer spenden.

Sucht euch eine Struktur aus, deren Arbeit euch wichtig ist.

5 Euro im Monat. Eine Mitgliedschaft. Eine Schicht beim nächsten Konzert. Ein geteilter Spendenaufruf. Ein Soli-Ticket. Ein Abend ehrenamtliche Arbeit.

Was für eine einzelne Person klein wirkt, kann für Strukturen einen Unterschied machen – vor allem, wenn viele mitmachen.

Denn Kultur ist nicht einfach da. Beratung ist nicht einfach da. Solidarität ist nicht einfach da. Und Demokratie ist verdammt nochmal auch nicht einfach da.

Menschen machen all das möglich.

Also lasst uns dafür sorgen, dass sie weitermachen können.

Support your local culture.
Support your local civil society.
Support your local democracy.