Den Job kündigen und raus in die Welt gehen – wer macht das schon? Wir reden und reden und träumen von den ganz großen Abenteuern. Es gibt nur wenige Menschen wie Tobias Köhn, die sich trauen, den gewohnten Alltag zu verlassen. Der 27-jährige Krefelder begab sich im Frühjahr 2016 auf eine sechsmonatige Reise durch Südafrika. Daraus ist nach zweijähriger Arbeit der Dokumentarfilm „Ein Viertel der Welt“ entstanden.

Für Köhn hat diese Reise eine besondere Bedeutung. Er wollte seine Unabhängigkeit wieder entdecken. Seine Angststörung hat ihm oft genug seine Grenzen aufgezeigt. „Reisen ist für mich eine mächtige Spielwiese, in der man machen kann und vor allem sein kann, wer man sein will“, sagt er. Überraschenderweise hat er in Afrika selten Angst, sondern alles vielmehr rational gesehen. „Ich bin durch Townships gelaufen und habe zum Beispiel auf mein Portmonee verzichtet. Warum soll ich dann Angst haben?“ Wer keine Wertgegenstände mit sich trägt, läuft dort auch nicht Gefahr, zu viel Aufmerksamkeit zu erregen. Angst hat für Köhn bei so einer großen Reise sowieso keinen Platz. „Ich habe das Abenteuer gesucht.“

Köhns Film zeigt atemberaubende Landschaften, bringt aber seine persönliche Geschichte sehr intensiv ein. Zu Beginn des Films wird schnell klar, dass der Zuschauer ihn verstehen bzw. eine Beziehung aufbauen soll. Los geht es in seiner Kindheit und Jugend. Die Szenen sind teilweise animiert oder nachgestellt. Gelernt hat Köhn Elektrotechniker, Kameratechnik interessierte ihn schon immer sehr. Von daher war es für ihn eine spannende Aufgabe, seine Erlebnisse aufzuzeichnen. Ein Freund half ihm nach seiner Reise, das Material filmreif aufzubereiten. Spontanität und Kameraerfahrung lassen so eine ganz besondere Dramaturgie entstehen, die Zuschauer*innen an Köhns Gedanken- und Gefühlswelt teilhaben lässt. Verstärkt wird dieser Effekt durch reflektierende Interviewszenen, die nach der Reise gedreht wurden. „Mir war es wichtig, auch die hässlichen Seiten zu zeigen, die auch sehr wehtun können.“ Das verleiht dem Dokumentarfilm zusätzliche Authentizität. Köhn ist an seiner Reise gewachsen. „In der Schule habe ich mich selten getraut meine Meinung zu sagen. Das hat sich gewandelt. Afrika hat mir bewiesen, das ich alles kann, was ich will.“ Mit seinem Film will er anderen Mut machen, auch den Schritt vom Träumer zum Macher zu wagen.

Am 31. Juli 2019 wird „Ein Viertel der Welt“ im Rahmen der Kinotour im Studiokino vorgeführt.

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