Am Hassel fast umgefahren werden, zugeparkte Fahrradstreifen, Bäume auf Fahrradwegen, haarscharf überholt werden, ihr kennt das. Und dann fährt man an der Elbe entlang, hier die Radfahrenden dort die Fußgänger*innen, für alle ist genug Platz. Dann fragt man sich, wieso nicht überall so einfach und sicher? Magdeburg hat doch so viel Potenzial, Fahrradstadt zu werden! So wie es ist, kann es nicht weitergehen.

Das haben sich auch andere gedacht und sich zusammengeschlossen zur Magdeburger Radkultur. Sie sind eine Gruppe von Menschen aus allen Ecken Magdeburgs, Studierende und Berufstätige. Das Thema Radfahren wollen sie 2019 auf die Tagesordnung setzen, auch im Hinblick auf die Kommunalwahl am 26.05.2019. Unterstützt wird das Projekt von Einfach Machen im Rahmen der Kulturhauptstadtbewerbung 2025. Magdeboogie wollte wissen, welche Ideen die Initiative für die Stadt hat, und hat sich mal zum Quatschen getroffen.

Radkultur, das ist der Wocheneinkauf mit dem Lastenfahrrad, der erste Ausflug mit dem Kinderfahrrad, schnell zur Uni mit dem E-Bike oder aufs Rennrad geschwungen zur nächsten Party. Das Ziel der Initiative ist, dass all das sicherer wird. Es braucht ein Gemeinschaftsgefühl und eine Sichtbarkeit der Fahrradfahrenden in unserer #boomtown. Alle Verkehrsteilnehmenden, ob Fußverkehr, Bus, Straßenbahn oder Auto, müssen Verständnis füreinander entwickeln. Mehr Grüßen und Blinken, weniger Hupen!

Für mehr Verständnis muss auch baulich gesorgt werden. Ihr wart immer der Meinung, die roten Wege sind Fahrradwege, hier könntet ihr ungestört in die Pedalen treten? Falsch gedacht, das gilt leider nicht immer für alle roten Wege, sondern nur, wenn ihr auch das entsprechende Radwegschild findet. Die Verwirrung, die das erzeugen kann, kennen wohl alle, die mal an einem sonnigen Nachmittag den Breiten Weg lang geradelt sind.

Die Initiative Magdeburger Radkultur will sich deshalb auch für klarere Beschilderung und Markierung einsetzen, Magdeburgs Straßen und das Radverkehrsnetz sollen baulich selbsterklärend werden. Dass diese Stadtplanung uns alle etwas angeht und wir deshalb auch alle mitreden sollten, davon ist die Gruppe überzeugt. Durch ganz viel Mitmachen und gemeinsam an einem Tisch sitzen soll gezeigt werden, dass die Stadtplanungsprozesse oft nicht so weit entfernt von uns sind, wie sie manchmal scheinen. Dazu will die Gruppe einen Dialog schaffen, Zugangswege zu Beteiligung aufzeigen und Möglichkeiten der politischen Partizipation nutzen. All das soll sich nicht auf die Innenstadt beschränken, sondern in allen Stadtteilen passieren. Damit wir vom Barleber See bis Westerhüsen und von Ottersleben bis zum Herrenkrug überall sicher mit dem Fahrrad hinkommen, will die Gruppe auch mit den Arbeitsgruppen Gemeinwesenarbeit, kurz GWA, zusammenarbeiten.

Du findest das total super, und willst deine Ideen am liebsten sofort einbringen? Dafür gibt es viele Möglichkeiten. Die einfachste ist wohl, auf der Website oder auf Facebook , Twitter , und Instagram vorbeizuschauen, oder eine E-Mail an info@radkultur-md.de zu schreiben. Der nächste Offene Stammtisch findet am 01.03. um 19 Uhr beim ADFC, Breiter Weg 11a statt. In diesem Jahr wird es einen Aktionstag zum Radschutzstreifen und eine große Fahrraddemo geben. Den Rosenmontag, den 04.03., hat die Gruppe außerdem zum Poolnudelmontag erklärt. Die Idee ist so einfach wie wirkungsvoll. Eine Poolnudel (ja genau, die, die ihr damals zum Schwimmenlernen benutzt habt) wird ans Fahrrad montiert und weißt Autofahrende darauf hin, dass im Stadtverkehr oft der Mindestabstand von 1,5 Metern nicht eingehalten wird. Also holt die Poolnudel aus dem Keller und schreibt es euch schon mal in den Kalender, los geht’s um 16:00 im Breiten Weg 11a. Mehr Informationen zum Thema Überholen im Stadtverkehr gibt es jeden Montag auf den Social Media Kanälen der Magdeburger Radkultur.

Da mal vorbeizuschauen lohnt sich sowieso, jeden Freitag gibt es spannendes zu erfahren über den Zusammenhang von Feminismus und Fahrradfahren, und jeden Mittwoch einen Aha-Fact zur vielfältigen Radkultur in Magdeburg. Schließlich wurde schon 1899 der erste Fahrradverein in der #boomtown gegründet und auch zu DDR-Zeiten waren viele Menschen auf zwei Rädern unterwegs.

Die lange Fahrradgeschichte wundert nicht, schließlich gibt es viele gute Gründe für mehr Wege mit dem Fahrrad. Es ist klimaschonend und umweltfreundlich, nach einem langen Tag am Schreibtisch gibt es nichts Besseres als sich den Wind um die Nase wehen zu lassen und es ist eine sehr selbstständige Form der Mobilität. Letzteres gilt wohl besonders für Kinder und Jugendliche, aber auch für alle anderen ist es oft entspannter, sich einfach aufs Rad zu schwingen und loszudüsen, als auf die Bahn zu warten. Dazu kommt, dass es mit dem Fahrrad oft einfach schneller geht, den Staus und Baustellen auszuweichen, als mit dem Auto oder der Bahn. Und günstiger ist es auch noch. Das sind also nur einige Gründe dafür, warum mehr Radkultur Magdeburg gut tut. Fahrradfahren ist längst auch Teil der Magdeburger Kulturlandschaft. Wir erinnern uns gerne an die Fassadenkinos der URBANPIRATEN, an die Suche nach dem schönsten Fahrrad der Stadt beim Goldesel oder an die Alley Cat MD City Schnitzeljagd. Und wenn jeden letzten Freitag des Monats die Critical Mass durch die Straßen rollt, freuen wir uns jedes Mal, wie einfach es auf zwei Rädern durch Magdeburg geht.

Magdeburg ist ein Knotenpunkt des Elberadwegs und des Saaleradwegs, und die Umgebung Magdeburgs bietet zum Beispiel mit ihren vielen Seen tolle Naherholungsmöglichkeiten. Auch das sollte Anlass dazu sein, dem Fahrradfahren in der Stadt einen höheren Stellenwert zu geben. Sonst ist schließlich die schöne Erholung bei der Einfahrt ins Stadtgebiet wieder futsch.

Es gibt also mehr als einen guten Grund dafür, warum Radkultur Magdeburg gut tut, und mindestens genauso viele gute Gründe fürs Mitgestalten dieser Radkultur, zum Beispiel beim Poolnudelmontag. Wir sehen uns!

About Sofia Helfrich

Sofia weiß erst seit 2015, dass man Magdeburg mit kurzem a ausspricht, und ist seitdem von Neustadt bis nach Salbke und von Sudenburg bis zum Herrenkrug auf der Suche nach den places to be. Bei Konzerten mit Rumhüpfpotential, Literatur, Kino, Diskussionsrunden und Flohmärkten muss man sie nicht lange bitten. Noch besser, wenn sich das ganze mit draußen in der Sonne sitzen oder mit Kuchen essen verbinden lässt. Oder mit beidem.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.