Es zwitschert. Es pocht. Mitten in der Glacis. Wonach hört sich das an? Nein, nicht nach dem Magdeburger Feierabendverkehr, sondern nach einem Interview unter alten Freunden. Wir haben uns mit Philipp vom Musikkombinat getroffen und exklusive Einblicke in die Einschulungstüten der Wohnzimmerkonzerte Magdeburg bekommen.


Frage 1: Sechs Jahre sind seit eurem ersten Wohnzimmerkonzert vergangen. Was bedeutet dieses (etwas andere) Jubiläum für euch?

Mit 6 Jahren wird man eingeschult und das haben wir mit unseren Einschulungsbildern und den Schultüten aufgegriffen. Es ist ein kleiner Einschnitt, wo das Kleinkindsein aufhört und mit der Schule die erste Verantwortung kommt. Für uns ist das aber seit Jahren kein Kleinkram mehr. Beim Open Air schauen wir jedes Jahr zurück, was wir geschafft haben und wo die Reise hingeht. Vor vier Jahren dachte ich, das Format Wohnzimmerkonzerte sei fertig und könne so einfach jedes Jahr fortgeführt werden. Dann kam Gina und gemeinsam haben wir begonnen, die Wohnzimmerkonzerte weiterzudenken und das Potenzial auszuschöpfen. Übers Jahr haben wir viele Möglichkeiten, an schönen Orten Konzerte zu veranstalten, allerdings immer nur mit 60 bis 70 Gästen, obwohl die Nachfrage viel höher ist. Das Open-Air ist unser Scheitelpunkt des Jahres um sich auszutoben, namenhafte Künstler*innen zu buchen, einmal alle Gäste einzuladen und mit ihren Erwartungen zu spielen. Sie glauben vielleicht an ein kleines kuschliges Gartenkonzert, aber im Grunde ist es ein ordentliches Musikfest.


Frage 2: Worauf dürfen wir uns in diesem Jahr freuen?

Dieses Jahr ist es noch umfangreicher. Drei weitere Kollektive bespielen die angrenzenden Wiesen, sodass die Gäste den Park durchstreifen und unterschiedliche Veranstaltungen besuchen können, die aber zusammenhängen. Die Glacis wird an diesem Tag mit Kultur belebt, wo sonst eigentlich nichts passiert. Besonders die Grillwiese ist ein Ort, an dem sich täglich Menschen treffen, ihre Decken ausbreiten oder einen Grill aufstellen. Mit diesem Bild möchten wir spielen. Die Leute brauchen von nichts wissen, kommen mit ihrem Grill unterm Arm und sehen, dass hier 2.000 Leute sind und ein großes Open-Air stattfindet. Sie machen genau das, was sie jedes Wochenende machen, bekommen das ganze Programm frei dazu und beteiligen sich an der Hutkasse.


Frage 3: Welche Kollektive prägen u.a. eure Zusammenarbeit und wie könnte diese Zusammenarbeit in Zukunft weitergedacht werden?

Bereits seit Jahren arbeiten wir mit Castellum Cultura und dem Sanierungsverein Ravelin 2 zusammen, die uns mit helfenden Händen, aber auch mit Material, Strom und der Spieleecke unterstützen. Außerdem zeigen seit letztem Jahr die Urbanpiraten ihr Freundekino mit Kurz- und Musikfilmen auf der Nachbarwiese. Uns kreist der Gedanke im Kopf, eines Tages die ganze Glacis zu bespielen. Ein schöner Gedanke, wenn jedes Kollektiv, ergänzend zu unserem Programm, die anderen Wiesen kuratieren. Beispielsweise gehört Hip-Hop oder Poetry Slam nicht zu unserem Repertoire. Dafür haben wir unsere Freunde vom Kultur Hafen e.V. und HALternativ e.V. eingeladen und in den nächsten Jahren möchten wir noch weitere Kulturschaffende dazuholen.


Frage 4: Mit Lion Sphere, Henry & The Waiter, Lui Hill, Ilgen Nur u.a. sind auch namenhafte Künstler*innen dabei. Wie kam die Auswahl an Acts zustande? Fragen Künstler*innen bei euch an oder wie läuft das ab?

Seit der ersten Minute der Wohnzimmerkonzerte bekommen wir haufenweise Anfragen von Bands. Verständlich, da es mehr Künstler*innen als Veranstaltende gibt, werden die mit Anfragen überhäuft. Mittlerweile booken wir fast nur noch aktiv selbst und haben ein gewisses Standing, größere Künstler*innen anzufragen. Wir arbeiten fest mit Agenturen und Managements zusammen. Es gibt aber auch Künstler*innen, die wir (teilweise seit Jahren) gerne einladen wollen, die allerdings für unsere monatlichen Wohnzimmerkonzerte zu hohe Gagen nehmen. Beim Open-Air haben wir da die Mittel für. Da wir seit Jahren, nicht nur für uns selbst, Acts booken, kleben wir zwangsläufig am Puls der Zeit und beobachten die Entwicklungen der Szene und von Künstler*innen. Richtig cooler Stuff, aber noch relativ unfertig, dann warten wir noch. Oder wir merken, dass die Band gerade durchstartet, dann greifen wir den richtigen Moment ab.


Frage 5: Ganz unter uns: Welcher Act ist dein persönlicher Geheimtipp?

Kleine Anekdote: Letztes Jahr hat eine Rockband aus Berlin bei uns angefragt mit Pressetext, Fotos, Videolinks und allem. Kurioserweise führten die Links zu einer ganz anderen Band. Die Agentur hat später die richtigen Links geschickt und konnte sich das auch nicht erklären. Mit der Rockband kamen wir letztlich nicht zusammen. Die andere Band, blieb mir allerdings im Kopf. Und beim Booking für das diesjährige Open-Air bekamen wir von  Filter Music Berlin, von denen wir jedes Jahr eine*n Künstler*in einladen, genau diese Band empfohlen. Eine Band aus Hamburg, die es versteht, Reggae frisch und tanzbar zu interpretieren. Ich höre eigentlich keinen Reggae, aber die laufen bei mir auf Dauerschleife und beim Open Air werden sie das Programm eröffnen.


Die Auflösung bekommt ihr am 01. Juni ab 15 Uhr beim Wohnzimmerkonzerte Open-Air in der Glacis, Grillwiese am Adelheidring. Wenn ihr es nicht mehr abwarten könnt, gibt es hier noch einen kleinen akustischen Vorgeschmack…


About Tobias Bachmann

Auf der Suche nach einem spannenden Studiengang (Schleichwerbung: Cultural Engineering) zog es Tobi erst im Herbst 2018 von der Saale an die Elbe. Aber bereits nach kurzer Zeit wusste er, wo der Pfeffi wächst. Ein perfekter Tag beginnt für Tobi mit dem Sonnenaufgang, gefolgt von einer Tasse Tee mit Freunden am Nachmittag und am Abend geht es in eine Bar oder in den Stadtpark. Jeden zweiten Abend darf gerne ein Konzert- oder Theaterbesuch auf dem Programm stehen.

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